Ich bin überzeugt, dass genau sie vor Ihrem inneren Auge erscheinen, wenn Sie die Augen schließen — die Trulli.
Woher kommen sie? Sie unterscheiden sich so sehr von der Architektur, die wir aus anderen Teilen Europas kennen. Manche sagen sogar, sie erinnerten an afrikanische Hütten.
Niemand weiß mit Sicherheit, wann sie erstmals auftauchten oder warum sie gerade so aussehen. Der wahrscheinlichsten Theorie zufolge ging es um… Steuern.
Zur Zeit des Königreichs Neapel wurden Steuern auf fertiggestellte Gebäude erhoben. Ein Dach galt offenbar als Zeichen dafür, dass ein Haus vollendet war. Die findigen Bewohner dieser Gegend entwickelten deshalb eine Bauweise, bei der sich die Dächer schnell abbauen ließen und man — zumindest der Legende nach — der Steuer entgehen konnte.
Wie viel Wahrheit darin steckt, lässt sich heute schwer beurteilen. Eines ist sicher: Apulien ist voller Trulli, und Alberobello ist zu ihrem Symbol geworden.
Für fast jeden Besucher der Region gehört der Ort zum Pflichtprogramm. Interessanterweise kann man in einem Trullo nicht nur übernachten, sondern auch eines kaufen. Entgegen dem ersten Eindruck sind sie nicht immer so teuer, wie man erwarten könnte.
Ich sage es ehrlich: Ich habe mich an diesem Ort ein wenig sattgesehen. Meiner Meinung nach gibt es in Apulien Dutzende ebenso schöne und oft sogar interessantere Orte. In der Hochsaison kann es unerträglich heiß und voll werden, und die Besuchermassen nehmen dem Ort einen Teil seines Charmes.
Deshalb empfehle ich Alberobello außerhalb der Saison — am besten zwischen Ende September und Ende März. Dann ist es ruhiger, kühler und vor allem leichter, einen Parkplatz zu finden.
Würde ich Ihnen deshalb von einem Besuch abraten? Auf keinen Fall.
Es ist einfach ein faszinierender Ort, den man wenigstens einmal gesehen haben sollte. Tatsächlich ist Alberobello die erste Stadt, in die ich Freunde bringe, die mich in Apulien besuchen. Oft fahren wir direkt vom Flughafen Bari dorthin.
Am meisten fasziniert mich übrigens der Name der Stadt. Alberobello bedeutet „schöner Baum“. Ich gebe zu: Der Ort erinnert mich an vieles, aber Bäume gehören sicher nicht dazu. Eher Stein.


