Bestellen Sie einen, und man wird ihn Ihnen verkaufen. Niemand wirft Sie aus der Bar oder weist Sie des Landes. Man wird nur sofort wissen, dass Sie Tourist sind.

Im Laufe der Jahre sind rund um Italien und die Italiener viele ähnliche Mythen entstanden. Einer davon ist das berühmte Verbot, am Nachmittag Cappuccino zu trinken.

Ich habe ehrlich gesagt noch nie erlebt, dass jemandem einer verweigert wurde. Höchstens schaut der Barista ein wenig überrascht. Aber wenn der Kunde bezahlt und nach dem Mittagessen Milch im Kaffee möchte — bitte sehr. Schließlich ist es nicht der Barista, der später panisch nach einem diskreten Ort suchen muss (der Zustand italienischer Toiletten ist allerdings eine ganz andere Geschichte).

Das brachte mich jedoch dazu, über die italienische Kaffeekultur selbst nachzudenken.

Für Italiener ist Kaffee fast eine Religion. Er ist Ritual, Teil des Tages und Lebensart. Es gibt eine enorme Vielfalt an Mischungen, Aromen und lokalen Varianten. Und ich gebe zu, dass ein gewöhnlicher „un caffè“ — also der vertraute Espresso — mir in Italien besser schmeckt als irgendwo sonst.

Dann ist da noch der Preis. Kaffee soll günstig sein, damit ihn sich wirklich jeder leisten kann. Er ist weder Luxus noch Ereignis. Er gehört zum Alltag.

Vielleicht geht es weniger um den Kaffee als um die Art, wie man ihn trinkt?

Italiener trinken ihn schnell. Meist im Stehen an der Bar, manchmal fast im Vorbeigehen und ohne unnötige Zeremonie. Auch das hat seinen Reiz. Auf dem Weg zum Einkaufen halte ich morgens oft zuerst für einen schnellen Kaffee-„Schuss“, trinke ihn in einer Minute und gehe weiter.

Vielleicht bringe ich mich damit in Schwierigkeiten, aber ehrlich gesagt: Ich glaube, ich bevorzuge unsere Art, Kaffee zu trinken.

Ich mag unsere Cafés. Ich mag die große Auswahl. Ich mag es, mit Freunden eine Stunde bei einem Kaffee zu sitzen statt vierzig Sekunden. Und ich gehe gern mit einem großen Becher etwas Heißem spazieren. Italiener lieben Kaffee, sind in dieser Liebe aber eher konservativ. Sie haben ihre Regeln, ihre Proportionen und eine geschlossene Getränkeliste, die sich stark von dem unterscheidet, was viele von uns trinken.

Ich weiß — unsere Kaffeekultur wurde weitgehend aus den USA und Westeuropa importiert. Große Becher. Sirup. Hafermilch. Kaffee, den man eine halbe Stunde lang trinkt und der oft eher Dessert als Espresso ist. Aber ich mag das.

Von den italienischen Erfindungen ist caffè leccese mein Favorit — Espresso mit Eis und Mandelmilch. Besonders im apulischen Sommer ist er großartig. Denn vielleicht machen Italiener den besseren Kaffee. Aber trinken sie ihn unbedingt besser?

Unterschrift des Autors: Tomek
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